JEANNE D’ARC - CHRONOLOGIE

1 - HERKUNFT UND KINDHEIT

1412
Jeanne d’Arc wird in Domremy, einem Dorf in den Vogesen geboren, das in einer zu Frankreich gehörenden und dem König Karl VII. treuen Gegend liegt. In ihrer Jugend und bis zu dem Zeitpunkt, als sie das Haus ihres Vaters verliess, half sie beim Pflügen und hütete manchmal die Tiere auf der Weide und erledigte die Frauenarbeit, Spinnen und alles andere. (Rehabilitationsprozess - Jean Moreau, Grossbauer aus Greux).

AB 1425
Wird sich Johanna ihrer Mission bewusst. Als ich 13 Jahre alt war, hatte ich eine Stimme Von Gott, um mir zu helfen, mich gut zu benehmen... Zwei - oder dreimal die Woche sagte mir diese Stiue, ich, Johanna, müsse fortgehen und nach Frankreich kommen... Dass ich die Belagerung der Stadt Orléans aufheben würde. (Verurteilungsprozess).

IM MAI 1428
Zieht Johanna zum erstenmal nach Vaucouleurs, einer Festung in der Champagne, die nicht in den Händen der Eng1änder ist. Sie trifft Robert de Baudricourt, den sie um Männer bittet, um sie zum König zu bringen. Man glaubt ihr nicht und sie kehrt nach Domremy zurück.

AM 12. OKTOBER 1428

Beginnen die Engländer die Belagerung von Orléans, der letzten befestigten Stadt auf dem Weg nach Bourges, in das König Karl VII. geflohen ist.

AM 24. OKTOBER 1428

Wird Or1éans eingekreist - die Brücke, die die Stadt mit dem von Karl VII. kontrollierten Gebiet verbindet, wird zerstört. Die Eng1änder haben vor, die Stadt auszuhungern.

IM FEBRUAR 1429
Trifft Johanna zum zweitenmal Baudricourt, der ihr eine Eskorte beigibt, um sie zum König zu führen.

2 - JOHANNAS MILITÄRISCHE UNTERNEHMUNGEN UND IHRE MISSION

13. FEBRUAR 1429
Abreise aus Vaucouleurs. Man reist die meiste Zeit nachts, quer durch vollständig Von den Eng1ändern besetztes Gebiet.

A) VORBEREITUNGEN

Bevor sie Chinon erreicht, wo der König sich auf-hält, schickt ihm Johanna einen Brief, in dem sie ihre Ankunft mitteilt. Nach einigem Zögern empfängt Karl VII. Johanna im grossen Saal des Schlosses von Chinon. Obwohl er von den Dingen beindruckt ist, die Johanna ihm verkündet, beschliesst der König, sie von Geistlichen in Poitiers prüfen zu lassen. Nach den von ihnen durchgeführten Verhören und Prüfungen schlossen die Geistlichen schliesslich, dass in ihr nichts Böses noch dem katholischen Glauben Entgegengesetztes sei, und dass, angesichts der Notlage, in der sich König und Königreich befanden, da der König und die ihm treuen Untertanen verzweifelt waren und nur noch Von Gott Hilfe erwarten konnten, der König sich ihrer bedienen könne. (Rehabilitationsprozess - Jean Barbin, Anwalt am Parlement). Johanna begibt sich nach Tours, um sich eine Rüstung anfertigen zu lassen, während der König eine neue Armee zusammenzieht und einen Lebensmittelkonvoi für Orléans zusammenstellt.

B) ORLEANS


AN 29. APRIL 1429

Erreicht der Lebensmittelkonvoi durch die Sologne Orléans. Am selben Abend zieht Johanna in der jubelnden Stadt ein. Die anderen Kriegsleute und die Bürger und Bürgerinnen kamen, sie zu empfangen. Sie trugen eine grosse Zahl Von Fackeln und freuten sich so sehr, als hätten sie Gott in ihrer Mitte herabsteigen sehen ; und nicht ohne Grund, denn sie hatten vielen Verdruss, Sorge und Kummer und grosse Furcht, nicht gerettet zu werden und alles zu verlieren, Leben und Besitz. Doch sie fühlten sich schon getröstet und wie von der Belagerung erlöst durch die göttliche Kraft, die, wie man ihnen sagte, dieser einfachen Jungfrau innewohnte, welche sie sehr freundlich ansahen, Männer wie Frauen und kleine Kinder. Und es war ein wunderbares Gedränge und Gestosse, sie oder das Pferd, auf dem sie ritt, zu berühren.

7. MAI 1429
Jeanne mit ihrer kleinen Armee nimmt die Festung Tourelles ein, die den Zugang zur Brücke von Orléans verteidigt. Am nächsten Tag verlassen die Engländer die Stadt, während eine Messe gelesen wird, ohne eine weitere Schlacht geliefert zu haben. Die Belagerung von Orléans ist aufgehoben. In dem Moment, da die Engländer durch die Gegenwart Johannas verstört und erschrocken sind, werden die französischen Truppen von Mut und Begeisterung ergriffen.

C) DER WEG ZUR KÖNIGSWEIHE

Johanna trifft den König in Loches und dringt in den Rat ein, um ihn zu überzeugen, nach Reims zu ziehen. Edler Dauphin, haltet nicht mehr so lange Rat, sondern kommt so bald als möglich nach Reims, um eine würdige Krone zu empfangen. Mit diesern Ziel wird die Loire-Kampagne unternommen. Nacheinander fallen Jargeau am

12. Juni, Meung am 15. Juni und Beaugency am 17. Juni
in die Hände der Franzosen.

18. JUNI 1429
Schlacht Von Patay, grosser Sieg der Franzosen. Die englische Armee löst sich auf, grosse englische Befehlshaber f liehen oder werden gefangengenommen. Dieser Sieg ist eine Revanche für Azincourt (1415). Und schliesslich wurden die Engländer ohne grosse Verluste der Franzosen geschlagen. (Siehe Jean de Warvrin, burgundischer Chronist, der auf englischer Seite an der Schlacht teilnahn).

29. JUNI 1429
Abreise aus Gien, Von wo aus der König an alle treuen Städte seines Königreiches wie auch an seine wichtigsten Vasallen, kirchliche wie weltliche, einen Brief sendet, um sie zu seiner Krönung in Reims zu laden. In weniger als einem Monat überwindet Karl VII. die Schwierigkeiten dieser Reise durch anglo-burgundisches Gebiet. Während manche Städte, wie Auxerre und Troyes, sich dem Einzug des Königs widersetzen, unterwerfen sich Chälons und Reims Karl VII. aus freien Stücken.

16. JULI 1429
Der König zieht unter dem Freudengeschrei der Menge in Reims ein. Am nächsten Tag weiht ihn Erzbischof Regnault Von Chartres zum König von Frankreich. Von diesem Moment an hätte Johanna gern den moralischen Vorteil dieses Ereignisses genutzt, um weitere Städte für ihre Sache zu gewinnen und die Waffen wieder gegen die Engländer aufzunehmen, doch der König bedient sich gegen den Herzog von Burgund der Diplomatie. Ein Waffenstillstand wird geschlossen, der jeden Kampf verhindert.

7.- 8. SEPTEMBER 1429
Nach einigen militärischen Operationen vor Senlis und Saint-Denis greift Johanna trotz des Königs Zögern Paris an, doch die Franzosen müssen zum Rückzug blasen.

21. SEPTEMBER 1429
Karl VII. zieht wieder ans Loire-Ufer und gibt in Gien den Befehl, die Armee der Königsweihe aufzulosen.

D) LETZTE MILITÄRISCHE UNTERNEHMUNGEN

Erst bei neuen militärischen Operationen findet man wieder von Johanna geführte Schlachten erwähnt, zum Beispiel bei Saint-Pierre-le-Moûtier, dessen Belagerung am 2. Novernber 1429 aufgehoben wird, und bei la Charité-sur-Loire im November und Dezember desselben Jahres, wo Johanna erfolglos versucht, die Stadt einzunehmen. Der Herr Von la Trémoille schickte Johanna mit seinen Bruder, dem Herrn von Albret und Marschall Boussac mit sehr wenigen Leuten mitten im Winter zur Stadt la Charité, und dort waren sie etwa einen Monat und zogen sich beschämt zurück, otine die Menschen in der Stadt zu retten, und sie verloren dort Bombarden und Geschütze. (Herold Berry, zeitgenössischer französischer Chronist). Der König zwingt Johanna zwar zur Untätigkeit, belohnt ihre Heldentaten jedoch, indem er ihre Familie in den Adelsstand erhebt und die Einwohner ihres Dorfes von allen Steuern befreit. Die Verhandlungen zwischen König Karl VII. und dem Herzog von Burgund werden fortgeführt. Dieser marschiert gegen die Städte der Oise, die ihm die Unterwerfung verweigern. unter anderem Compiègne. Johanna beschliesst hierauf, die Feindseligkeiten wiederaufzunehmen. Während der König in der Stadt Sully-sur-Loire war, fand die Jungfrau, welche die Art und weise des Königs und seines Rates, sein Königreich zurückzugewinnen, recht wohl gehört und gesehen hatte, und die darüber sehr unzufrieden war, ein Mittel, sich Von ihnen zu trennen. Und ohne Wissen des Königs und ohne von ihm Urlaub genommen zu haben, gab sie vor, in irgendeine Ständeversammlung zu ziehen, und ging ohne zurückzublicken zur Stadt Lagny-sur-Marne, weil die Leute in dieser Festung treu gegen die Engländer von Paris und anderswo kämpften. (Perceval de Cagny, zeitgenössischer französischer Chronist).

16. MAI 1430

Dem Herzog von Burgund beginnt die Belagerung Compiègnes.

22. MAI 1430
Johanna dringt nachts, von einer kleinen Truppe begleitet und vom Feind unbemerkt, in Compiègne ein.

23. MAI 1430

Wird sie während eines Ausfalls von den Burgundern gefangengenommen. Die Franzosen betraten Compiègne bekümmert und zornig über ihre Verluste, und vor allem sehr erbittert über die Gefangennahme der Jungfrau. Und auf der Gegenseite freuten sich jene von der Partei Burgunds und die Engländer sehr darüber, mehr als über die Gefangennahne von 500 Soldaten, dann sie furchteten keinen Hauptmann noch anderen Befehlshaber so sehr, wie sie bis zu diesem Tage immer die Jungfrau gefürchtet hatten.(E. de Monstrelet, burgundischer Chronist, der bei dem Zusammenkunft Johannas mit dem Herzog Von Burgund vor Compiègne anwesend ist). Am 23. Mai wurde die Dame Johanna, die Jungfrau der Armagnacs, vor Compiègne von dem Herrn Jean von Luxemburg, den Soldaten und den Engländern, die aus Paris kamen, gefangengenommen. Mindestens vierhundert der Männer der Jungfrau wurden getötet oder ertranken. (Tagebuch eines Bürgers von Paris).

3 JOHANNA IN GEFANGENSCHAFT

A) DIE GEFÄNGNISSE

Sieben Monate lang, vom 23. Mai bis zum 23. Dezember, wird Johanna nacheinander im Schloss Beaulieu in dem Provinz Vermandois und im Schloss Beaurevoir, in der Nähe von Saint-Quentin, gefangengehalten.

Am 21. November liefert man sie in Armas gegen ein Lösegeld von 10.000 écus an die Engländer aus, die Summe, die der König maximal zahlte, um einem seiner Hauptmänner einen englischen Gefangenen abzukaufen. Sie wurde von Pierre Cauchon, dem Bischof von Beauvais und ehemaligen Rektor dem Universität Paris ausgehandelt, der den Auftrag hatte, Johanna unter dem Anklage dem Häresie zu richten. Es ist unsere Absicht, diese Johanna zurückzuholen und in Verhaft zu nehmen, wenn es denn so wäre, dass sie nicht der Häresie oder eines andern unseren Glauben berührenden Punktes überführt oder für schuldig befunden würde. (Brief an Cauchon, in Namen des Königs von England).

Am 23. Dezember wird Johanna im Schloss Bouvreuil in Rouen eingesperrt. Sie wird von den Engländern in einem weltlichen Gefängnis bewacht, während man ihr den Prozess in Glaubensangelegenheiten macht, was sie normalerweise in ein kirchliches Gefängnis und unter die Bewachung von Frauen hätte bringen müssen.

B) DER PROZESS VON ROUEN

Der am 9. Januar 1431 eröffnete Prozess endet am 30. Mai mit dem Tod Johannas auf dem Scheiterhaufen auf dem place du Vieux-Marché in Rouen. Während dieser fünf Monate steht Johanna ihren beiden Richtern, dem Bischof von Beauvais und dem Inquisitor, und den Beisitzern wechselnder Anzahl (von 30 bis 60) allein gegenüber.

Die Hauptanklagepunkte waren die folgenden :
- Anklage dem Hexerei : die Standarte, die ihr so lieb war, sei Träger einer schädlichen Macht gewesen, ebenso wie die Ringe, die sie an den Fingern trug und die verschiedene Personen berührten.
- Anklage dem Unreinheit und des zweideutigen Umgangs mit den Wesen, von denen sie angibt, dass sie ihr erscheinen.
- Anklage dem Kriegstaten, in denen man versucht, ein Wort des Hasses oder der Grausamkeit zu entdecken.
- Anklage, Männerkleider zu tragen, eine für eine Frau anstössige Kleidung, Zeichen eines sittenlosen Lebens.
- Anklage, sich der Kirche nicht zu untemwerfen. Hier einige Zitate, in denen man die Schlagfertigkeit von Johannas Antworten und ihre Vorsicht erkennen kann. So sagt sie, als sie von mehreren gleichzeitig verhört wird - Ihr lieben Herren, sprecht einer nach dem anderen…
F - Hasst Gott die Engländer ?
A - Von dem Liebe oder dem Hass Gottes für die Engländer und davon, vas Er mit ihren Seelen macht, weiss ich nichts, aber ich weiss vohl, dass an sie aus Frankreich vertreiben vird, ausser denen, die hier sterben werden, und dass Gott den Franzosen den Sieg über die Engländer schicken wird.
F - Warum wurde Eure Standarte in der Kirche zu Reims bei dem Weihe des Königs näher getragen als die Standarten der anderen Haupmänner ?
A - Diese Standarte war bei aller Mühsal dabei, es war nur recht, dass sie bei der Ehre dabei war.
F - Habt Ihr dieser Stimme gedankt und seid Ihr vor ihr niedergekniet ?
A - Ich habe ihr gedankt indem ich mich aufrichtete und auf mein Bett setzte, und ich faltete die Hände, und danach bat ich sie, mir zu helfen. Die Stimme sagte mir, ich solle beherzt antworten. Ihr sagt, ihr seied mein Richter, bedenkt wohl, was Ihr tut, denn ich bin in Wahrheit von Gott gesandt und Ihr bringt Euch in grosse Gefahr.
F - Wisst Ihr, ob Ihr in der Gnade Gottes seid ?
A - Wenn ich es nicht bin, möge Gott mich in sie aufnehmen, und wenn ich es bin, möge er mich in ihr bewahren. Ich wäre unendlich betrübt, wüsste ich, dass ich nicht in der Gnade Gottes stehe ; und wenn ich im Stande der Sünde wäre, würde, glaube ich, die Stimme nicht zu mir kommen, und ich wünschte, jeder könnte sie so gut hören wie ich.
F - Hat Gott Euch befohlen, Männerkleider anzulegen ?
A - Die Kleidung bedeutet wenig, sie ist das Allermindeste. Ich habe diese Männerkleider auf keines Menschen Rat angelegt, ich habe sie nur angezogen und alles habe ich nur auf Befehl Gottes und seiner Engel getan.
F - Glaubt Ihr, recht gehandelt zu haben, indem Ihr Männerkleider anzogt ?
A - Alles was ich tat, tat ich auf Befetil Gottes und glaube, recht getan zu haben, und ich erwarte Schutz und Hilfe dafür.
F - Was war Euch lieber, Eure Standarte oder Euer Schwert ?
A - Meine Standarte war mir sehr viel, ja sogar vierzigmal lieber als mein Schwert. lch nahm die Standarte, wenn ich die Feinde angriff, un zu vermeiden, jemanden zu töten, und ich habe nie jemanden getötet. Bevor 7 Jahre vorüber sind, verden die Engländer mehr verlieren, als sie vor Orléans eingesetzt haben, und sie werden alles in Frankreich verlieren. Und die Engländer werden sogar mehr als je in Frankreich verlieren, und Gott wird den Franzosen einen grossen Sieg schicken.

4 - REHABILITATION

Emst ab dem 10. November 1449, dem Tag, an dem Karl VII. als Sieger in der Stadt Rouen einzieht, verteidigt dem König Jeanne d’Arc und verlangt Aufklärung über ihren Prozess. In dieser Stadt befanden sich aile die Affäre betreffenden Dokumente. Am 4. und 5. März 1450 findet auf Befehl des Königs eine erste Untersuchung statt, während derer die Hauptakteurme und -zeugen gehört werden. Daraufhin befiehlt die Kirche, die für den Verurteilungsprozess der Jeanne d’Arc, einen Häresieprozess, verantwortlich war, eine offizielle Untersuchung. Sie wird auf Befehl des Inquisitors von Frankreich, Jean Bréhals, und des päpstlichen Nuntius, Guillaume d’Estouteville, vom 2. bis zum 22. Mai 1452 durchgeführt. Die vom Inquisitor von Frankreich verfasste Zusammenfassung der Affäre wird darauf französischen und ausländischen Theologen und Kennern des Kirchenrechts zur Prüfung vorgelegt.

11. JUNI 1455

Papst Calixt III. gestattet die Revision des Prozesses, die am 7. November 1455, nach Anhörung der Mutter Johannas, Isabelle Romées, in der Kirche Notre-Dame in Paris eröffnet wird.